Artikelaktionen

Im Land von Gammelfleisch und hungernden Pflegefällen

by admin posted on 28.08.2007 15:56 last modified 29.10.2007 12:09 —
Anfang September war ich beim 11. Ayurveda Symposium in Deutschland zu einem Podiumsgespräch über "Verbraucherschutz contra Traditionen" eingeladen. Diskutiert werden sollten die angeblich vergifteten ayurvedischen Präparate und wie der deutsche Konsument davor geschützt werden könne.
Über verschiedene Medien in Deutschland wird die Bevölkerung dringend vor Ayurveda Produkten und Medikamenten gewarnt. Sie sollen verbotene Mengen von Schwermetallen enthalten. Beim genaueren Hinschauen wird schnell klar. Hier werden immer wieder die gleichen alten Geschichten aufgewärmt. Es werden keine reellen Fälle präsentiert, bei denen deutsche Bürger durch in Indien, Shri Lanka oder Nepal gekauften Medikamente zu Schaden gekommen sind. Ein paar Beamte schleichen in die exotischen Lebensmittelmärkte, kaufen sich illegal eingeführte ayurvedische Präparate und schleppen sie ins nächste Labor. Dort werden dann Spuren von Schwermetall festgestellt - Hurra! Kann jemand sagen, wieviel Schwermetall im Salat erlaubt ist? Sie können davon ausgehen, dass er deutlich mehr Metalle, Nitrate und Perstizidrückstände enthalten wird, als das ayurvedische Präparat. Nicht zu sprechen von den über Zweieinhalbtausend Lebensmittelzusatzstoffen, die in der EU zugelassen sind, von denen aber kein Schwein auch nur die leiseste Ahnung hat, was sie in unserem Organismus bewirken. Kein Wissenschaftler lässt sich da auf Grenzwerte, Wechselwirkungen oder Toxizität ein. Die Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie - die wirklich grösste und bedeutenste Kraft in der EU, die sich zu wehren weiss. Niemand - kein Politiker und sei er noch so mächtig - tritt diesem Lobby ungestraft auf die Füsse. Was mir mehr Sorge bereitet, als die eben erwähnten plumpen Versuche der Diskreditierung sind die verodnungswütigen Bürokraten der EU. Mit der HMPC (Herbal Medicinal Products Committee) sollte eine vereinfachte Zulassung für traditionelle Phytomittel geschaffen werden. Die Hürden wurden aber so hoch angesetzt, dass es bis dato niemand geschafft hat, ein traditionelles Heilmittel zuzulassen. Der Kostenaufwand beträgt um die € 500´000 und das ohne Aussicht auf Erfolg einer Zulassung. Die Phytomedikamente, die in der Ayurveda, in der TCM oder in der traditionellen europäischen Heilmittelkunde seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden erfolgreich und ohne unerwünschten Nebenwirkungen eingesetzt wurden, verschwinden so vom Markt. Die wunderbaren Heilpflanzen, wirksamste Instrumente in den Händen qualifizierter Praktikerinnen und Praktiker dürfen nicht mehr von diesen abgegeben werden. Und so verschwindet auch das letzte Stück traditioneller Überlieferungen. Dafür begeben sich die Bürgerinnen und Bürger in eine gefährliche Abhängigkeit von börsendotieren international agierenden Riesenunternehmen, die nur eine Mission haben und die ist nicht, Sie oder mich gesund zu machen oder erhalten, sondern die heisst Shareholdervalue! Krankheiten, die reissenden Absatz versprechen, bekommen genügend Forschungsgelder und selten krankheiten oder Krankheiten, von denen eine nicht kaufkräftige Minorität betroffen ist, wie zum Beispiel Kinder, werden links liegen gelassen. Das regionale Heilwissen verkümmert und die bereits rationierte medizinische Versorgung führt für den Druchschnittsbürger zu einer bestenfalls drittklassigen Behandlung. Die Pflegefälle verdrusten und verhungern auf den Stationen und die Armen essen entweder Hundefutter oder Gammelfleisch, während die Grossaktionäre und das sind perverserweise die Pensionskassen und Versicherungen, also eigentlich soziale Einrichtungen, die Geldmühle am Laufen erhalten. Die Lösung heisst, aus der sozialen und politischen Apathie erwachen und für unser Recht auf ein gesundes Leben in eigener Verantwortung einstehen. Der Konsument bestimmt letztlich, was in den Regalen steht. Wenn wir das wollen, dann wird bald auch Aldi traditionelle Phytoheilmittel verkaufen.

Interessant

Kommentar von admin am 28.08.2007 15:57
Freu mich auf erste Einträge!

Phytologisches

Kommentar von Anonymer Benutzer am 07.01.2008 14:19

Ein heutiges Gespräch zwischen mir als ayurvedische Ernährungsberaterin und Biogärtnerin und einem deutschen Onlinevertrieb von Ayurvedischen Produkten war mein Anlass meinen Unmut kund zu tun.

Jener besagte Vertrieb dem die ayurvedische Tradition ein Anliegen ist, sieht sich als Besitzer jener Firma auf Grund der rechtlichen Situtation in Deutschland gezwungen seinen Vertrieb zu schließen.

.)Aus dem Gespräch habe ich in Erfahrung gebracht, dass sich jemand das Wort "tri" schützen hat lassen, und somit in Hinkunt triphala in seinem ursprünglichen Wortlaut nicht mehr angeboten darf.

.) Kräutermischungen, auch westliche, dürfen nicht mehr von Anbietern in Hinfkunft empfohlen werden.

.) Der Zuständige des damit betrauten Gremiums meinte innerhalb eines Gesprächs, dass es ihm am liebsten wäre, selbst Kamillentee nur mehr in Apotheken abgeben zu dürfen.

.) Der Inhaber des Ayurvedavertriebs meinte vor allem zu schließen, da sich in Hinkunft "jeder arbeitslose Rechtsanwalt" mit Klagen beschäftigen kann, und dies für Einzelunternehmer den Untergang bedeuten würde.

.-.-.-.-.

Nicht nur dass ich es bedenklich finde, dass man Begriffe einer jahrtausende alten Tradition und Kultur schützen lassen kann, auch die Beschneidung von Ayurvedas in all seinen Wirkstrukturen stimmen mich traurig.

Wie soll ein Weg und Mittel der vor allem entgegen der westlichen Medizin von der Prävention, auch im besonderen mit Natur und somit Pflanzen, bei solchen Auflagen authentisch und natürlich arbeiten können.

Wirtschaftspolitisch ist auch zu hinterfragen, wer in Hinkunft die Phytoprodukte und in welcher Form verkaufen dürfte.

Wäre da ein Salat im Supermarkt in Hinblick auf Belastung, Herkunft nich ebenfalls, wenn nicht im Besonderen von diesem Gremium zu hinterfragen?

Gerade in Zeiten wo selbst von den Krankenkassen der Bedarf und Nutzen von gesunder Prävention erkannt wird, und auch Yoga in Deutschland auch schon von den Krankenkassen gefördert wird, ist dies meiner Ansicht nach der Schritt zurück.

Hoffnungsfroh stimmt mich nur dass in Österreich zB das Süßkraut von der EU untersagt war (Süßstofflobby?) und nun wieder erlaubt.

Rechtlich ist es in Österreich noch möglich Empfehlungen auszusprechen.

Laut dem Telefonat mit obiger Person in Deutschland aber nur mehr wenn der Empfehlende kein Anbieter ist. Sprich in Deutschland werden schon Kräutergärtner mit Mischungen belangt!

Dies gepaart mit den Gegebenheiten der angeblichen Belastungen stellt eine unglaubliche Hürde und Herausforderung an Ayurveda nicht nur in Deutschland dar.

Als Optimist vertraue ich hier auch auf die "Konsumenten" die auf Ihren Körper hören und achten, und sicherlich nicht zu einem klassischen Arzt gehen um sich Produkte mit fraglichen Hintergrund in Hinblick des bewährten und traditonellen Ayurveda zu besorgen. Die Ausbildung der Apothekenangestellten ist in dieser Hinsicht auch nicht gewährleistet.

Hier sehe ich auch einen Aufgabenbereich für den Dachverband. Vielen Dank im Vorauss Herr Rhyner.

Des weiteren habe ich privat als ayurvedische Ernährungsberaterin und Biogärtnerin beobachtet, dass es Sinn macht vor Ort mit dem Suchenden Pflanzen mit all seinen Sinnen zu erfassen und für sich zu gewinnen. Da können wir ruhig auch im Westen bleiben (Hildegard von Bingen, Kräuterkunde). Vor allem da hier auch die Eigenkompetenz des Suchenden beträchtlich erhöht wird.

Auch wenn man nicht mal ein Churna oder Masala herstellen darf und weitergeben, oder vielleicht lässt sich ja jemand noch das Wörtchen "ghee" rechtlich schützen!!!!

.-.-.-.

Des Weiteren ist einfach die globale und wirtschaftspolitische Lage im besonderen mit der EU einfach so, dass hier alles in Händen gehalten werden will.

Gespannt werde auch ich die Entwicklungen verfolgen...

Hier hoffe ich auf Vernunft.

.-.-.-.

Abgesehen davon ist mir auch in Deutschland ein Vertrieb von ayurvedischen Nahrungsergänzungen und Phytomedikamenten bekannt, die einerseits BIO und andererseits FAIR TRADE Ursprungs sind!!!! Die Pflanzen stammen aus einem Projekt vor Ort wo einerseits die Arbeiter mit guter Entlohnung, und andererseits die Konsumenten von zB Triphala auf ein Bioprodukt vertrauen können.

Hier sehe ich ebenfalls Zukunft....

Wie dem auch sei Herr Dr. Rhyner, auf alle Fälle teile ich mit Ihnen das blanke Entsetzen, ist somit ein mentaler Trost, und warte auf die Zukunft.

Auch sehe ich Ihr tradtionelles Schaffen und Zugang, und in Hinkunft auch als Instanz, einen Weg der Lenkung in die richtige Richtung. Alles Schöne und Beste hierfür im Sinne Ayurvedas.

om namo dhanvantari namah,---

Melanie

 
Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Blog Weblog Hans H. Rhyner 2007 Im Land von Gammelfleisch und hungernden Pflegefällen

Powered by Plone CMS, the Open Source Content Management System

Diese Website erfüllt die folgenden Standards: